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Christkindwiegen: Weihnachtsfreunde halten beliebte Tradition hoch

  • geschrieben von  Sascha Pfannstiel
Ein imposantes Bild bot sich den Zuschauern vor dem Südportal der Kilianskirche. Ein imposantes Bild bot sich den Zuschauern vor dem Südportal der Kilianskirche.
Korbach. Zum zweiten Mal nach 2014 haben die Weihnachtsfreunde ihren beliebten Brauch des Christkindwiegens vom Turm der Kilianskirche wegen der dortigen Bauarbeiten an den Fuß des Gotteshauses verlegen müssen. Die zahlreichen Zuschauer verfolgten das traditionelle Singen somit aus direkter Nähe.

In alle vier Himmelsrichtungen sang die Vereinigung am Heiligen Abend den Choral "Dies ist der Tag den Gott gemacht", dazu hielten die 79 Männer ihre Laternen empor - der Sage nach sollen die Korbacher vor fast 500 Jahren auf diese Weise dem Christkind den Weg in die von der Pest geplagte Stadt gewiesen haben. Weil damals die Krankheit anschließend tatsächlich besiegt war, entwickelte sich daraus der bis heute hoch gehaltene Brauch.

Ein imposantes Bild bot sich insbesondere vor dem beleuchteten Südportal, wo viele Korbacher der Gruppe mit ihren Laternen nicht nur Applaus spendeten, sondern das besondere Motiv auch mit Fotoapparaten und Smartphones festhielt. Weit weniger Zuschauer waren am Morgen des ersten Weihnachtsfeiertages auf den Beinen und lauschten dem Gesang des Liedes "Wie herrlich strahlt der Morgenstern". Abermals schwenkten die Männer die Laternen, abermals gab Stephan Rückert den Ton an. Am Morgen waren 74 Weihnachtsfreunde mit von der Partie. Ältester Teilnehmer mit inzwischen 88 Jahren war Karl Tent.

Nach dem Singen fand sich die Gruppe zur traditionellen Weihnachtsfeier im Sozialraum des Rathauses ein - Hausherr und Bürgermeister Klaus Friedrich war wie zuvor beim Singen mit von der Partie. Nach dem Stabwechsel im vergangenen Jahr führte der neue Sprecher Thomas Kuhnhenn durch die besinnliche Feier. Seinem Vorgänger Hermann Küthe überreichte er zum Dank für seine Jahrzehnte währende Tätigkeit einen Krug mit einem Foto des Christkindwiegens. Er könne "in Tränen ausbrechen vor Rührung", sagte Küthe in seiner bekannt verschmitzten Art. Vom "runden Tisch" erhielt Küthe auch in diesem Jahr wieder einmal einen Eimer "Küthe Kilian-Senf".

Nach gemeinsamen Liedern verlas Dirk Wilke eine weihnachtliche Geschichte: Dabei ging es um zwei Geschwister, die zum Fest der Liebe ein armes, fremdes Kind bei sich aufnahmen - dieses entpuppte sich als Christkind. In ihrer Gruppe nahmen die Weihnachtsfreunde in diesem Jahr drei neue Mitglieder auf: Louis Zahradnik, Konrad Behringer und Jaroslaw Chadas mussten als "Aufnahmeprüfung" das Lied "Ihr Kinderlein kommet" singen - dabei unterstützten alle Sänger die Neulinge und hießen sie damit willkommen.

Auf charmante Weise trug Karl-Friedrich Kuhnhenn das Protokoll der letzten Versammlung vor einem Jahr vor - die Gruppe trifft sich tatsächlich nur an Weihnachten. Dabei dankte auch er Hermann Küthe für sein engagiertes Wirken, was die Gruppe mit langem Applaus quittierte. "Dieser Beifall war länger als der beim Parteitag der SPD", sagte Kuhnhenn anschließend mit einem Augenzwinkern.

Der Protokollführer berichtete zudem, die bei der Feier im vergangenen Jahr durchgeführte Sammlung habe rund 450 Euro eingebracht, die dem Hospiz und der Lebenshilfe gespendet wurden. Aktuell waren es rund 420 Euro, die erneut dem guten Zweck zukommen.

Zum unterhaltsamen Programm der Feier gehörten weitere gemeinsam gesungene Lieder sowie lustige Vorträge wie "Die Made" von Heinz Erhardt, die Weihnachtsfreund Jörn Vesper seit Jahrzehnen darbietet, oder über die Besonderheiten beim Bahnfahren von Manfred Schatz. Die als "PTC" bezeichnete "Boyband mit dem halben Ton" begeisterte mit einem Medley. Darin münzten die Sänger bekannte Lieder von Howard Carpendale oder Roland Kaiser auf das Christkindwiegen um: "Ich war noch niemals nicht am Turm", hieß es da unter anderem in Anlehnung an Udo Jürgens.

Mit dem Waldecker Lied, Wünschen für eine gesegnete Weihnacht und dem Versprechen, über das gesamte Jahr füreinander da zu sein, endete der offizielle Teil der Feier - vermutlich eine der letzten im Sozialraum des Rathauses, da der Sitz der Stadtverwaltung komplett umgebaut wird.
Letzte Änderung amMittwoch, 27 Dezember 2017 09:35
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