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Korbacher Sperrstunde feiert zweiten Geburtstag

Um 3 Uhr müssen die Korbacher Kneipen dicht machen. (Foto: Dennis Schmidt) Um 3 Uhr müssen die Korbacher Kneipen dicht machen. (Foto: Dennis Schmidt)

KORBACH. Am 1. März 2012 war es so weit: Die Stadtverwaltung Korbach führte nach vielen Jahren erneut eine Sperrstunde ein. Nach zwei Jahren zieht die Verwaltung ein durchgehend positives Fazit. Wir erklären, was Sie zur Korbacher Sperrstunde wissen müssen.

Warum gibt es in Korbach überhaupt eine Sperrstunde?

Im Jahr 2011 hatte die Polizeistation Korbach Zahlenmaterial erhoben, welches auf den kritischen Zeitraum zwischen 3 und 6 Uhr bezogen war. Schwerpunkt waren hier die Straftaten im Zusammenhang mit übermäßigem Alkoholkonsum in Folge von überlangen Gaststättenbesuchen. Hinzu kam ein starker Anstieg der Beschwerden aus der Bürgerschaft über Vandalismus im sechsstelligen Euro-Bereich und über Beeinträchtigungen durch Lärm. Dies war Anlass für die Einführung der verlängerten Sperrzeit zum 1. März 2012. 2013 hat sich die Stadtverordnetenversammlung mit dem Thema Sperrstunde beschäftigt und  empfohlen, den vorgezogenen Sperrzeitbeginn beizubehalten.

Welche Bilanz zieht das Ordnungsamt nach zwei Jahren Sperrstunde?

Behördenleiter Carsten Vahland sieht sie "durchweg positiv". Dies werde auch durch die Zahlen der Korbacher Kriminalstatistik deutlich. 

Welche Zahlen sind das?

Fünf Fälle von Sachbeschädigungen hat die Verwaltung für 2013 aufgelistet. Prozentual ausgedrückt: 2011/2012 sind die Sachbeschädigungen, die zwischen 3 und 6 Uhr begangen wurden, um 50 Prozent geschrumpft. Hinzu kommen sechs Körperverletzungen.

Wie erlebt die Verwaltung die Reaktionen auf die Sperrstunde von Bürgern? 

"Durchweg positiv", sagt die Stadt. Sie sieht die Mehrheit der Korbacher hinter sich. "Zahlreiche betroffene Anwohner" hätten sich per Brief oder Unterschriftsliste für die 3-Uhr-Regelung ausgesprochen. Außerdem sei bei Online-Befragungen der heimischen Presse eine Mehrheit von 80 Prozent für die verlängerte Sperrzeit gewesen. Vahland gibt zu: "Bei gezielten Aufrufen in Internetforen, in denen sich überwiegend Jugendliche bewegen, bildet sich natürlich ein anderes Bild ab." Inzwischen werde aber "so gut wie nicht mehr über das Thema geredet."

Wie erlebt die Verwaltung die Reaktionen auf die Sperrstunde von Kneipiers? 

Ein Großteil der Gastronomie sei von der Sperrzeitregelung gar nicht betroffen, da die Betriebe in der Regel bereits vor 3 Uhr geschlossen würden, so Vahland. Nach Gesprächen Ende 2012 hätten viele Gastwirte Verständnis gezeigt und erkannt, dass das Allgemeinwohl höher anzusiedeln sei. Bei den "Brennpunktbetrieben" sei allerdings "die fehlende Einsicht" geblieben; dies betreffe allerdings auch andere Bereiche wie Lärm- und Jugendschutz.

Wer kontrolliert eigentlich, ob die Sperrstunde eingehalten wird?

Die Kontrollen erfolgen durch die Polizeistation Korbach. Ergebnisse werden an die Korbacher Stadtverwaltung weitergegeben und dann von dieser verfolgt.

Wurden bisher überhaupt Bußgelder  verhängt?

In vielen Fällen hätten Gespräche ausgereicht, berichtet Vahland. "Nur bei wiederholten Verstößen, teilweise auch im Zusammenhang mit anderen Übertretungen, wurden Bußgelder verhängt. Nach dem Beschluss im vergangenen Jahr gab es so gut wie keine Verfahren mehr."

Gibt es Ausnahmemöglichkeiten bei der Sperrstunde?

Die Sperrzeit gilt hessenweit nicht in der Nacht zum 1. Januar, in den Nächten zum Freitag vor Fastnacht bis zum Aschermittwoch sowie in der Nacht zum 1. Mai. Bei speziellen Anlässen wie dem Altstadt- und Kulturfest setzt die Verwaltung die Sperrzeit generell außer Kraft. Ausnahmen können auch beantragt werden, dazu reicht ein formloser Antrag "zu bestimmten Einzelanlässen". Kosten fallen nicht an.

Soll die Sperrstunde beibehalten werden?

Vahland: "Die bestehende Verordnung hat eine Laufzeit bis zum 31. Dezember 2017."

Auf welcher gesetzlichen Grundlage hat die Stadtverwaltung 2012 die Sperrstunde beschlossen?

Die Verordnung basiert auf §9 des Hessischen Gaststättengesetzes in Verbindung mit §3 der Hessischen Verordnung über die Sperrzeit.

Letzte Änderung amFreitag, 28 Februar 2014 16:38
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