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Korbacher Geschichten: "Der gestohlene Gedenkstein"

Foto: Dennis Schmidt Foto: Dennis Schmidt

KORBACH. In der Hansestadt verstecken sich zahlreiche Sagen und Geschichten aus früherer Zeit – Hanseportal Korbach lässt sie neu aufleben. Diese Woche: "Der gestohlene Gedenkstein".

Im Jahre 1954 beschlossen die Korbacher, zur Erinnerung an die "Padberger Fehde" an der Streitstätte auf der Höhe zwischen Korbach und Flechtdorf einen Gedenkstein zu setzen mit der Aufschrift: "Hier siegten am 20. 6. 1413 die Korbacher über die Herren von Padberg." Dieser Stein sollte im Rahmen eines Schnadegangs am 8. August 1954 feierlich enthüllt werden.

Aber die Korbacher hatten die Rechnung ohne die Padberger gemacht. Die hatten nämlich davon erfahren und verbündeten sich mit den Adorfern, um den Stein heimlich von der Gedenkstätte zu entfernen. In der Nacht vom Samstag auf den Sonntag (7. August 1954), den Vorabend der Schnade, machten sie sich auf den Weg, gruben den etwa zehn Zentner schweren Stein aus und ließen am leeren "Tatort" eine Kapsel mit einer "Urkunde" zurück. Den Stein brachten sie nach Padberg, wo sie ihn vor der Wirtschaft Kleffner aufstellten und mit einer schweren Kette befestigten. Am folgenden Sonntagmorgen sammelten sich viele Padberger um den Stein; und es herrschte allgemeine Schadenfreude.

Gegen Mittag rief dann der Padberger Bürgermeister Grothe den Korbacher Bürgermeister Dr. Zimmermann an und fragte, ob die Korbacher nicht vorhätten, auf der alten Streitstätte einen Gedenkstein zu enthüllen? Als der bejahte, teilte ihm Bürgermeister Grothe mit, das ginge nun leider nicht mehr, der Stein befände sich nämlich in Padberg! Korbachs Bürgermeister fuhr darauf eilends nach Padberg, wo man ihm eröffnete, der Stein würde nur gegen ein Fass Bier freigegeben. Bürgermeister Zimmermann gab vor, er müsse das Bier in Korbach erst beschaffen, und nahm den Padberger Bürgermeister mit. In seinem Amtssitz ließ er seinen verblüfften Kollegen auf der Stelle verhaften, und Bürgermeister Grothe musste als Gefangener auf dem nun sehr verspäteten Schnadezug mitgehen. Als die Korbacher Schnadegänger auf der Streitstätte erfuhren, dass der Stein in Padberg sei, waren sie zunächst verärgert, trugen es dann aber mit Humor. Dem Vernehmen nach soll Bürgermeister Grothe als Tauschobjekt für den Stein angeboten worden sein, worauf die Padberger erklärt haben sollen: "Dann behaltet ruhig unseren Bürgermeister!"

Als aber die Korbacher das verlangte Fass Bier anboten, wurde man sich schnell einig. Die beiden Bürgermeister fuhren nach Padberg um den Stein abzuholen. Dort waren inzwischen die Männer mit Sensen, Mistgabeln und Dreschflegeln bewaffnet vor der Wirtschaft zusammengelaufen. Man einigte sich aber schnell, nachdem die Padberger sich bereit erklärten, die 100 Liter Bier gemeinsam mit den Korbachern auf der Streitstätte zu trinken. Die Gemeinde organisierte einen Omnibus; und jeder, der Lust hatte, konnte mitfahren. Als die Padberger auf der Streitstätte eintrafen, war zu ihrem Empfang eine Musikkapelle erschienen. Die spielte "Fuchs, du hast die Gans gestohlen!"

Am 4. und 5. Juni 2005 feierten die Padberger ihre 975-Jahr-Feier, die erste urkundliche Erwähnung ihres Ortes. Dazu luden sie ihre ehemaligen Feinde ein, um nach fast 600 Jahren einen symbolischen Friedensschluss zwischen Padberg und Korbach zu feiern. Den bekräftigten von Padberger Seite Heinz Körner , Christoph Pohle und Ortsvorsteher Becker, für die Korbacher Seite Erster Stadtrat Karl-Heinz Meier und Stadtverordnetenvorsteher Heinz Merl.

Letzte Änderung amMittwoch, 07 Oktober 2015 11:18
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