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Korbacher Geschichten: "Der Eiserne Roland"

Der Roland der Stadt Korbach fand zwischenzeitlich am Südportal der Kilianskirche Unterschlupf. (Foto: Dennis Schmidt) Der Roland der Stadt Korbach fand zwischenzeitlich am Südportal der Kilianskirche Unterschlupf. (Foto: Dennis Schmidt)

KORBACH. In der Hansestadt verstecken sich zahlreiche Sagen und Geschichten aus früherer Zeit – Hanseportal Korbach lässt sie neu aufleben. Diese Woche: "Der Eiserne Roland".

An der Ecke des Korbacher Rathauses, zwischen den Spitzbögen des Laubenganges, steht auf einer Säule das in Stein gehauene Standbild eines stolzen Ritters in Helm und Harnisch, mit Schild und Lanze. Es ist der Korbacher Roland, das Wahrzeichen städtischer Rechte und Freiheiten, der hier nach wechselvollen, teils sagenhaften Geschehnissen eine wirkungsvolle Aufstellung gefunden hat.

Ursprünglich stand unser Roland wohl auf dem Marktplatz, wo auch das alte Femgericht tagte. Wie in vielen anderen Städten des niedersächsischen Stammesgebietes war er das äußerlich sichtbare Zeichen für die stadteigene Gerichtsbarkeit, für das Recht, Bürgermeister und Räte in freier Wahl selbst zu bestimmen, Märkte abzuhalten und Handel zu treiben.

Jahrhunderte hindurch hatten die Waldecker Grafen diese Rechte auch anerkannt und gebilligt, da kam es 1615 zu einem ernsten Streit: Als Herren des Landes verlangten sie von der Stadt vollen Gehorsam und wollten die alten Vorrechte nicht mehr gelten lassen. Die Stadt wehrte sich dagegen nach Kräften und versuchte nun, sich von der Oberherrschaft der Grafen gänzlich frei zu machen. In einer Streitschrift sollte bewiesen werden, das die Rolandfigur ein Zeuge dafür sei, das Korbach eine freie Reichsstadt und somit nur dem Kaiser zum Gehorsam verpflichtet sei. Schließlich kam es über diesen Rechtsstreit zu offenem Kampf.

Stadt besetzt, Roland versteckt

Graf Wolrad besetzte 1622 die Stadt und zwang sie zum Gehorsam. Wie die Sage berichtet, wollte er dabei auch den Roland zerschlagen. Das konnten aber die Korbacher geschickt verhindern. Sie stellten die Figur rechtzeitig in eine leere Nische unter die Heiligen des Kiliansportals. Hier, im Schutz der Kirche, wagte es der Graf nicht, das Standbild zu beseitigen.

Jahrhunderte vergingen. Große Kriege und Brände ließen von der einst so stolzen Stadt wenig übrig. Der Roland am Kirchenportal war fast vergessen, und kaum jemand wusste sich zu erklären, wie der Ritter zwischen die Heiligen gekommen war. Doch als das Rathaus umgebaut wurde, erinnerte man sich seiner wieder und stellte ihn 1938 dort auf.

Er hat die Herrschaft der Waldecker Grafen und Fürsten überlebt und ist wieder das, was er einst war: Ein Sinnbild für die wiedergewonnenen Rechte und Freiheiten unserer Heimatstadt.

Letzte Änderung amMittwoch, 07 Oktober 2015 11:07
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