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Korbacher Geschichten: "Das Spukhaus"

Korbacher Geschichten: "Das Spukhaus"

KORBACH. In der Hansestadt verstecken sich zahlreiche Sagen und Geschichten aus früherer Zeit – Hanseportal Korbach lässt sie neu aufleben. Diese Woche: "Das Spukhaus".

 

In einem alten Steinhaus in Korbach, es ist heute das Domizil der Freilichtbühne, lebte vor langer Zeit eine reiche Frau. Sie war so geizig, dass sie ihren Bediensteten nicht einmal ausreichend zu essen gab. Auch für die Armen hatte sie nichts übrig. Betrat ein Armer ihren Hof, dann hetzte sie den Hund auf ihn. Sogar den Gossenstein verstopfte sie, als sie einmal bemerkte, wie ihre Magd Suppenreste fortschüttete und eine alte, arme Frau diese in einem Napf auffing. Die geizige Frau gab die Abfälle lieber ihren Schweinen, als den Armen. Ihre Habsucht war so groß, dass sie ihren Neffen, der von Kind auf bei ihr war, verstieß, weil er sich mit einem armen Mädchen verlobt hatte. Aber all ihren Reichtum musste sie zurücklassen, als sie eines Tages an einer schrecklichen Krankheit starb.

Eines Abends fütterte die Magd die Schweine im Stall. Plötzlich erschien ein schwarzes Schwein und fraß mit. Erschreckt rief sie den Neffen der Frau, der deren einziger Erbe war. Dieser half dem Mädchen, das Schwein fortzujagen. Als die Magd kurze Zeit später in der Küche das Essen zubereitete, stand auf einmal das schwarze Schwein im Raum. "Was willst Du hier?", rief das Mädchen ungehalten. "Ich will aufpassen, ob Du auch treu bist", antwortete das Schwein mit tiefer Stimme. Die Magd versuchte den unheimlichen Besucher wieder fortzujagen. Da bat das schwarze Schwein, ihm doch bitte die Hand zu reichen, dann würde es erlöst. Das Mädchen gab ihm den Zipfel ihrer Schürze, aber sofort war die Stelle, die das Schwein berührt hatte, verbrannt. Daraufhin verschwand das schwarze Schwein.

Täglich erschien nun das Schwein und versetzte alle Hausbewohner in Angst und Schrecken. Schließlich ging der neue Hausherr zu den Mönchen, die in Korbach ein Kloster hatten. Er bat sie, den bösen Geist der geizigen, reichen Frau, der in dem Schwein sitze, zu bannen. Die Franziskanermönche kamen auch. Aber da der Mensch, der den Teufel vertreiben will, engelsgleich rein sein muß, gelang es keinem der Mönche, den bösen Geist auszutreiben. Jedem von ihnen zählte das schwarze Schwein seine Sünden auf.

Dann kam auf Bitten des Hausherren der Abt vom Kloster Corvey. Diesem gelang es schließlich, den bösen Geist in einen Schrank zu bannen und ließ den Schrank in der Wand einmauern. Nun endlich war das Steinhaus von dem bösen Spuk befreit.

Der Neffe heiratete schließlich doch das arme Mädchen und tat viel Gutes mit dem Geld der geizigen Tante.

 

Letzte Änderung amMittwoch, 07 Oktober 2015 11:14
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