Menu

Jüdisches Leben in Korbach: Verschleppt und ausgelöscht

Direkt neben dem Rathaus befand sich die Eisenwarenhandlung der Mosheims (rechts). Die Professor-Kümmell-Straße galt auch als "Jerusalemer Landstraße". Eine Tafel erinnert seit wenigen Jahren an die vertriebene jüdische Familie. (Foto: Archiv Werner Stahl) Direkt neben dem Rathaus befand sich die Eisenwarenhandlung der Mosheims (rechts). Die Professor-Kümmell-Straße galt auch als "Jerusalemer Landstraße". Eine Tafel erinnert seit wenigen Jahren an die vertriebene jüdische Familie. (Foto: Archiv Werner Stahl)

Seiten

Trotzdem: „Mutter Therese ließ sich anfangs nichts gefallen. Beim offiziellen Heldengedenktag hisste sie zum Beispiel die Flagge des Kaiserreichs. Auch als die Nazi-Schergen einschritten, blieb es dabei“, so Marianne Heinemann. Resolut schreitet Therese Lebensbaum auch ein, als die Hitlerjugend auf der Hauer Wehrsportübungen absolviert.

„1942 waren die Lebensbaums dann auf einmal weg. Auch die Nachbarn wussten nicht, was geschehen war“, so Marianne Heinemann. Die Jahreszahlen hat die 85-Jährige immer noch im Kopf, weil sie auch ihr Leben verändert haben. Zunächst muss die Familie im Juli nach Kassel übersiedeln, zwei Monate später werden sie von der Geheimen Staatspolizei nach Theresienstadt deportiert.

Rückkehr – aber nur kurz

Die Familie kehrt zwar nach dem Krieg nach Korbach zurück, doch die Beziehung zu den übrigen Korbachern ist zerstört. Niemand hatte verhindert, was den Lebensbaums durch die „Endlösung“ angetan worden war. „Sie wollten mit keinem mehr etwas zu tun haben“, so Marianne Heinemann. Ihr Haus in der Hagenstraße beziehen die Lebensbaums am 23. Juli 1945. Mit Kriegsende sind sie zuvor durch die russische Armee in Theresienstadt befreit worden.

Insgesamt elf Juden kehren 1945 aus den Konzentrationslagern nach Korbach zurück. Neben der vierköpfigen Familie Lebensbaum auch Siegfried, Alfred und Bertel Kaufmann, Rosel Simon, Marga Israel sowie Helga Zickrick und, bis August 1946, Marianne Weitzenkorn.

Bei Bernhard Lebensbaum laufen die Fäden nach dem Naziterror zusammen. Er nimmt in seinem Haus andere Geschädigte auf und ist Teil des „Jüdischen Komitees in Korbach/Waldeck“. In dieser Position sucht er nach den spurlos verschwundenen Gemeindemitgliedern, kümmert sich um den Schriftverkehr des „Zentralkomitees der befreiten Juden“. „Vor allem die Mutter hatte Angst“, erinnert sich Marianne Heinemann. „Ihre Haustür hat sie immer nur einen winzigen Spalt aufgemacht.“ Der Schrecken sitzt zu tief, als dass ein gemütliches Flanieren oder ein Schwätzchen vor dem Haus noch möglich wäre. Die einst so rigide Therese Lebensbaum hält sich zurück.


Letzte Änderung amMittwoch, 12 Februar 2014 23:25
Nach oben

Nachrichten

Themen

Meinung

Multimedia

Soziale Medien

Hanseportal

Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.
Weitere Informationen Ok Ablehnen